Über mich

Es muss etwa 1964 gewesen sein, als ich zum ersten Mal die Faszination für die Fotografie entdeckte. Mich faszinierte das Gefühl, die Zeit in einer 250stel Sekunde einzufrieren und diesen Augenblick auf Ewigkeit zu bannen.

Ich kann mich nicht einmal erinnern, wie diese kleine Kamera in meine Hände gelangte, aber am Anfang hatte ich das Gefühl, alles falsch damit zu machen. Die Bilder, die ich gesehen hatte, hatten nichts mit dem zu tun, was ich dann als Ergebnis betrachtete. Das Image war verschwommen, und nicht mal mir selbst gefiel es. Dennoch war etwas an diesem Kästchen, das mich anzog.

1966 wurde ich von einem meiner besten Freunde zu einer Urlaubsreise in den Süden Argentiniens eingeladen. Natürlich brachte ich meine Kamera mit und auf dem Pferd im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien gelang mir meine erste vernünftige Aufnahme.

Die Anden waren beschneit und alles sah aus, als sei es vom Zauberstab einer Fee berührt worden, in seltsamer Realität -denn in der Pampas, wo ich herkomme, gab es nur in Büchern und Filmen Schnee.

Auch das gefiel mir: Die Möglichkeit, mit Bildern ein Erlebnis zu belegen. Vielleicht war es dieser Moment, der mich eine Leidenschaft entdecken ließ, die mich nie wieder loslassen sollte.

1977 kaufte ich zum ersten Mal eine gute Kamera, es war eine Asahi Pentax mit der Möglichkeit, Objektive zu wechseln. An der Hand meines Freundes Manuel Pacheco lernte ich die ersten Fotolaborarbeiten zu machen und auch damit wuchs meine Leidenschaft für dieses Metier. Die Arbeit in der Dunkelkammer packte mich. Immer wieder wartete ich fasziniert ab, wie das Bild langsam erschien, während ich sanft die Schale mit Chemikalien schüttelte.

Bis dahin bin ich meiner anderen Leidenschaft nachgegangen, als Journalist schrieb ich Berichte in verschiedenen Medien wie: La Nación, Pájaro de Fuego, Politica Internacional, Salimos, Convicción u.a.. Aber selten gelang es mir, meine Fotos in meinen Artikeln unterzubringen, denn diese bedeutsamen Verlage hatten immer professionelle Fotografen dabei.

Es war in Stockholm 1979, als ich in den Dagens Nyheter zum ersten Mal die erste Seite einer Tageszeitung mit einem Foto belegte. Ich verfolgte damals über die Dächer von Stockholm einen großen Vogel mit einer Nikon F, ohne zu wissen ob er mich angreifen würde. Er tat das nicht und die Redaktion kaufte mein Bild und veröffentlichte es mit meinem Namen.

Es gab Zeiten, in denen ich niemals ohne Fotoapparat aus meinem Haus ging, weder Reisen noch Tauchgänge konnte ich mir ohne Fotoausrüstung vorstellen.

Für Kataloge wie Extratour Reisen in Göttingen fotografierte ich Haie, von denen es hieß, „wir stellen einen unserer Mitarbeiter vor“. Für Natur und Kosmos, Goldschmiede Zeitung in Deutschland, First in Buenos Aires, País24 aus Rosario in Argentinien war und bin ich auch heute noch unterwegs.

Fotoreportagen in China, Hongkong -als es noch unter englischer Fahne stand, Australien, Tahiti, Mexiko, Kuba, Italien, Deutschland, Spanien, Arabische Emirate, Thailand, Borneo u.a. sind von mir bereiste Länder.

Als ich vor etwa 20 Jahren mein Goldschmiede-Atelier in Göttingen gründete, fürchtete ich, meiner Fotoleidenschaft nicht mehr nachgehen zu können. Meine eigene Firma gab mir aber  immer wieder Gründe, Berichte zu schreiben, die ich mit meinen Fotos belegt habe. Auch Fotostudio, Modellfotografie, Schmuckfotografie zählen zu meinen Spezialgebieten.

Ich könnte auch heute nicht sagen, welche Art von Fotografie mich am meistens begeistert, auf die Schnelle würde ich sagen: die Art, mit der ich mich gerade beschäftige. Aber wenn ich in mich hinein gehe, um eine Wahl zu treffen, denke ich, dass Menschen mein Lieblingsthema sind. Ihr Glück und Leiden in ihrer eigenen Kultur zu beobachten und zu dokumentieren, denn ohne das wäre sogar die Natur sinnlos.

Nicolás Piaggio